01.11.2012

Stadt Borken betreute Besucherin aus Amerika

Auf den Spuren ihrer jüdischen Vorfahren

Die US-Bürgerin Leslie R. Floyd lebt in Lawrenceville im Bundesstaat New Jersey. Sie ist als Assistant Planing Director für die Mercer County Division of Planing tätig, einer staatlichen Institution zur Förderung des Handels, der Kultur und der Landwirtschaft. Vor kurzem besuchte sie Nordhessen, um nach Spuren ihrer Vorfahren zu suchen. Floyd hatte ihre Forschungsreise zur Familiengeschichte gut vorbereitet und bereits aus den USA Kontakt zu den hiesigen Standes- und Meldeämtern aufgenommen.

Ort der Erinnerung. Leslie R. Floyd suchte auf dem
Jüdischen Friedhof in Haarhausen  nach Gräbern ihrer Vorfahren
und wurde dabei fündig.


Konkret ging es um die Geschichte der ehemaligen Borkener Familie Rosenbusch, deren Ahnenreihe bis in das 18. Jahrhundert zurück verfolgt werden kann. Kerstin Lerch, Standesbeamtin der Stadt Borken (Hessen), hatte aus den Geburten-, Heirats- und Melderegistern verschiedene Einträge zu der jüdischen Familie gefunden. Joseph Rosenbusch ist das erste Familienmitglied, über das Informationen vorliegen. Er wurde im März 1743 in Borken geboren. Hier verstarb er am Heiligen Abend 1826. Joseph erlebte mit seiner Frau und seinen Kindern Haune (Juni 1773 – 31.10.1845), Meier (1775 – 29.7.1849) und Leib Levi (1777 – 19.10.1855) das Zeitalter der Aufklärung und die Napoleonische Besatzung in Borken. Auch die folgenden Rosenbusch-Generationen lebten und arbeiteten im 19. Jahrhundert in dem seinerzeitigen Ackerbaustädtchen am Blumenhain. Sie waren Zeitzeugen, wie Borken an das entstehende Eisenbahnnetz angeschlossen und wie im Jahr 1871 das Deutsche Reich gegründet wurde.

Metzgerei in Borken Einige Familienmitglieder betrieben eine Metzgerei in der Bergstraße, andere waren als Kaufmann oder Handelsvertreter tätig. Ende des 19. Jahrhunderts siedelten die Urgroßeltern von Leslie R. Floyd, Isaak Rosenbusch und Fanny geb. Marx von Borken nach Bad Wildungen über. Hier besaßen später Leopold und Selma Rosenbusch geb. Löwenstein, die Großeltern von Leslie Floyd, ein Gasthaus und eine Metzgerei. Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierten die Großeltern 1934 mit ihren Kindern in die Vereinigten Staaten von Amerika und folgten damit einem Onkel, der bereits Mitte der 1920er Jahre in das vermeintliche „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ ausgewandert war.

Die Borkener/Bad Wildunger Familie Rosenbusch entging somit – im Gegensatz zu über 60 anderen jüdischen Mitbürgern Borkens – den Deportationen, Ghettos und Konzentrationslagern der Nationalsozialisten.

Leslie R. Floyd recherchierte nicht nur in den Meldeämtern sondern suchte auch die jüdischen Friedhöfe in Borken und Haarhausen auf. Hier stieß sie tatsächlich auf Gräber von vier ihrer Vorfahren. Nach jüdischer Tradition hinterlegte sie jeweils einen Stein auf den Grabsteinen. Leslie R. Floyd hatte bei der Vorbereitung ihres Borken-Besuchs auch das internetgestützte Landesgeschichtliche Informationssystem http://www.lagis-hessen.de/ genutzt, in dem detaillierte Angaben zum Jüdischen Friedhof in Haarhausen publiziert sind. In der Nachbargemeinde Bad Wildungen erhielt die Besucherin aus Amerika ebenfalls wertvolle genealogische (Familienforschung) Hinweise.

Zum Schluss ihres Besuches bedankte sich Leslie R. Floyd sehr herzlich bei Kerstin Lerch für die hervorragende Betreuung und die nicht alltägliche Recherche- und Serviceleistung der Borkener Stadtverwaltung.

Quelle: Stadt Borken (Hessen)

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